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Rhodos: Wird Kultspot geschlossen?

Rhodos: Wird Kultspot geschlossen

Unruhe am Kultspot Prasonisi im Süden der griechischen Insel Rhodos. Ein griechischer Wassersport-Unternehmer und Funktionär hat die Lizenzen für Kiteschulen am südlichen Ende von Rhodos bekommen. Das bedeutet, dass alle anderen Kiteschulen dort ihre Sachen packen müssen. Ob Kiten ohne Schulbegleitung in dem Flachwassser- und Wellenrevier überhaupt noch erlaubt sein wird, steht noch nicht fest.

Prasonisi war schon zu Windsurfers Zeiten so etwas wie das Hawaii des Mittelmeers. Das ist natürlich übertrieben. In Luv einer Sandbank werden Wellen bis zu zwei Metern hoch, in Lee liegt ein perfektes Flachwasserparkett.
Die Verbindung bildet ein breiter Sandstrand, der das Flachwasser vom Brandungsspot trennt. Es ist ein Revier, als hätte es Architekt einen Funpark für Kiter geschaffen. Lange war dieser Stummelschwanz von Rhodos ein vergessenes Stück Land, bestenfalls für Ziegenhirten und Flachwasser- Angler geeignet. Dann hatte der Österreicher Christof Kirschner den Spot als Goldmine im Funsport-Business entdeckt und eine große Station für Windsurfer etabliert. Jetzt wird der Österreicher seine Kites zusammenpacken müssen, weil seine Lizenz angeblich nicht gültig sei.
Auf der zweistündigen Fahrt von Kalavarda nach Prasonisi lernt der Mitteleuropäer, dass Rhodos ein wilder, gebirgiger Flecken Erde ist. Große Wälder ziehen sich von Meereshöhe steile Bergflanken empor. Die Straßen sind verschlungen wie gekochte Spaghetti, das Lenkrad hat in dieser Kurven-Olympiade keine Sekunde Ruhe. Wer heil in Prasonisi ankommt, der hat Autofahren gelernt – sogar als Holländer. Prasonisi ist also der Geheimspot am Rumpffortsatz von Rhodos? Du kommst über die letzte Kuppe vor dem Ziel – und blickst auf einen riesigen Parkplatz, auf eine Freiluftmesse für Windsurf- und Kite- Stuff, auf Restaurantterrassen im Biergartenformat. Prasonisi ist so geheim wie der Secret Spot St. Peter-Ording. Der Wind schießt in die Düse zwischen der Rhodos-Hauptinsel und der winzigen, rund 50 Meter hohen Ziegeninsel und schiebt Dünungswellen in die Meeresenge. Die Wellen laufen dann gegen den Sandstreifen, der die beiden Inseln verbindet und brechen am seichten Ufer der Sandbank. Kenner des Spots behaupten, dass an guten Tagen die Wellen bis zu zwei Meter hoch werden. Auf der anderen Seite der Sandbank ist das Wasser spiegelglatt – und trotzdem gehen hier die Wellen hoch: Ein Kiter hämmert einen Kiteloop drei Meter von einer Schwimmerin entfernt ins Wasser, und ein Windsurfer springt einen Vulcon neben den Kiter. Als wär’s der heimische Baggersee.

Das Waverevier von Prasonisi vor Rhodos – bald nur noch für Privilegierte?