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Ostsee: Weissenhaus

Weissenhaus an der Ostsee 

Gelobt sei, was aus Norden kommt. Wenn ein Fehmaraner Kiter freiwillig seine Insel verlässt, dann droht entweder eine russische Invasion – oder die Wettermaschinen melden Wellen in Weissenhaus. Bei satten nördlichen Winden werden Pros wie Bernd Hiss (Bild oben) sogar ihrem Homespot „Altenteil“ untreu und steuern die Hohwachter Bucht an. Eine Huldigung.

Im Waisenhaus sind Glücksgefühle selten – und nicht anders ist es in Weissenhaus. Der Weltbürger und Fehmarn-Local SebastianWitz­leben meint traurig-begeistert: „Weis­senhaus ist ein Luxus, der uns nicht oft vergönnt ist.“ Der Wind muss aus Norden kommen, und das auch noch lang und kräftig. 

Im letzten Jahr bliesen neun Windstärken mitten im Sommer über die Ostseebucht und scheuchten alle Surfer und Kiter auf, die gerade online waren. Zwei Meter hohe Wellen schoben sich an den Strand, begleitet von Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. 

Bei solchen Bedingungen werden nicht nur die ufernahen Fische nervös, auch halb Fehmarn sucht hektisch die Autoschlüssel. Bernd Hiss und Sebastian Witzleben – Fehmarns bekannteste Wavewarrior – sind sogar bereit, die Insel zu verlassen und den hauseigenen Wellenspot Altenteil den Touristen zu überlassen. So etwas passiert nicht oft im Jahr, Weissenhaus wirkt wie ein Magnet. 

32 Windsurfer haben an diesem Big Day im Juli einen spektakulären Contest ausgetragen – es herrschte ein Verdrängungswettbewerb im Paradies. 

Aber das sind nicht die einzigen „Futterfeinde“ im Revier, weiter westlich in Richtung Steilküste liegen 50 Wellenreiter im Wasser und behaupten sich gegen die betuchte Mast- und Leinen-Konkurrenz. Der letzte Parkplatz im Westen, der sonst verwaist ist, ist voll wie die Mülleimer am Sonntagabend – Busse und Mobile beherrschen die Szene. 

Der westliche Teil der Hohwachter Bucht wird von Wellenreitern geliebt, weil er in der Windabdeckung durch die Steilküste liegt. So sind die Begehrlichkeiten der Kiter und Surfer auch nicht besonders groß, den paddelnden Sportkameraden ins Gehege zu kommen. 

Der Kieler Weissenhaus-Experte Kai Rautenberg zeigt, wie man den Big Day entspannt genießen kann: Er läuft 200 Meter nach Lee, also in den östlichen Teil der Bucht, um den Kite dort am Strand zu starten. Bernd und Sebastian verziehen sich lieber weiter nach Osten. 

In der Nähe des Restaurants Bootshaus in der Mitte der Bucht laufen zwar sehr steile, harte Rampen und vermitteln ein bisschen Capetown für Ostsee-Ripper. „Aber da toben sich die Testosteron-gesteuerten Windsurfer aus, die sich endlich mal im Wave-Freestyle austoben wollen“, warnt Sebastian Witzleben. „Man kann sich da schon mal reindrängeln mit dem Kite“, sagt er vorsichtig, lässt aber offen, ob das wirklich ratsam ist.

Warum dann nicht noch weiter nach Osten ausweichen? Schließlich werden dort die Wellen bei Nordwest sogar größer und ähneln den Wasserhügeln der Nordsee. Außerdem ist der Strand dort größer und der Wind weniger böig. „Die Wellen hier sind leider weniger sauber und definiert“, meint „Basti“ traurig. 

Als der Windsurf-Contest beendet ist, nehmen sich die Fehmarn- Guys die „Sahne-Section“ vor. Und Basti ist endlich ganz glücklich: „Es ist großartig hier. Wenn die Wellen hier mal laufen, dann sind sie einfach die besten, die du an der Ostsee kriegen kannst.“ 

Das wissen natürlich auch alle Jungs und Mädels, die zwischen Kiel und Oldenburg ein Polyester-schnittchen in der Garage oder ein Windsurfrigg im Bully liegen haben – Weissenhaus ist an guten Tagen nicht verwaist. 

Wer gut und frech genug ist, der stellt seine Karre auf dem günstigen West-Parkplatz ab (und spart sich damit die teure Schranke), baut am kleinen, steinigen West-Strand auf und geht knapp in Lee der Wellenreiter raus. Man muss hier allerdings schon den Pro-Status haben, um nicht angemault zu werden. Basti riskiert sogar den verwegenen Tipp, bei Nordwestwind einen Downwinder zum Hauptstrand nach Osten zu ma­chen und dabei die Windsurf-Sektion zu durchqueren. Wer das überlebt, kreuzt dann wieder auf zum Wellenreiter-Strand, wo das Auto auf ihn wartet. 

Nicht nur der „wohnmobile“ Teil der Menschheit hat die Hohwachter Bucht im Navi programmiert, auch Menschen mit gehobenem Lifestyle kennen die Location. Ein hölzernes Dokument feinen Lebensstils ist das „Bootshaus“. Es bietet einen wunderschönen Blick auf den Strand und wird deshalb auch mit der legendären „Sansibar“ auf Sylt verglichen. Das Restaurant ist umgeben von Hagebuttensträuchern und Ostseegras und bietet innen den gepflegten Vintage-Chic mit Holzmöbeln und dicken, braunen Ledersofas. Der Kiter, der nicht vom Bafög leben muss, lässt hier einen großen Tag auf dem Wasser ausklingen – natürlich nicht mit Wasser. 

In der Nähe liegt auch eines der spektakulärsten Fünf-Sterne-Hotels der Ostsee: Das Weissenhaus Grand Village Resort & Spa residiert in einem Barockschlösschen, das der Graf von Platen-Hallermund gekauft hatte, als er vom englischen König für einen Deal üppig entschädigt worden war. Heute wohnt man hier immer noch – oder besser  wieder – königlich. Ein hübsches kleines Sommer-Arrangement ist schon für 1945 Euro zu haben. Wir verkaufen zwei Kites und wohnen dafür ein paar Tage wie Graf Platen. Nein, wir kiten königlich wie „Sir“ Aaron und schlafen überm Radkasten. 

GUT ZU WISSEN 

Wind:

www.windguru.cz/de/index.php?sc=48179

www.dmi.dk/hav/udsigter/havprognoser/#danmark

Wohnen:

www.weissenhaus.net

www.weissenhaeuserstrand.de/

Badeparadies:

www.weissenhaeuserstrand.de/attraktionen/subtropisches-badeparadies/info

Wasserski und Wakeboard:

www.weissenhaeuserstrand.de/attraktionen/wawaco/info

Parken:

In Weissenhaus ist jeder Parkabschnitt kostenpflichtig.