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Loops: Aus Liebe zum Leiden

LOOPS: AUS LIEBE ZUM LEIDEN

Der Move mit den drei L: Loop, Leiden, Liebe. Der berühmte Kreisel mit dem Kite ist ungefähr 15 Jahre alt – und hat nichts von seiner schrecklichen Faszination verloren. Loops werden immer und überall trainiert. Als vor ein paar Wochen ein winterliches Sturmtief über Holland fegte, trainierten 40 Kiter – den Loop. Als Mario Rodwald bei seinem Freestyle-Camp nach den Lernzielen fragte, wollten die meisten Schüler den Kiteloop lernen.

Wer jemals auf dem Zehn-Meter-Sprungturm gestanden hat, der weiß, was Mario Rodwald mit seinem Aufruf zur Überwindung meint: Der Loop ist eine Frage des Muts. Deshalb gilt er auch als Testosteron-Trick erster Güte. Viele Schüler der älteren Semester halten sich, so hat Kite-College-Teamleiter Michael Vogel beobachtet, bewusst aus diesen Kreisen heraus. „Ich spüre weniger Nachfrage nach Loop-Unterricht“, meint er. 

Aber das ist offensichtlich eine Frage des Alters. Mario Rodwalds Schüler jedenfalls lassen sich von Ängsten nicht bremsen. Und seit der King of the Air in Kapstadt Loop-Artistik zeigt, die in existenzielle Bereiche vorstößt, hat die Liebe zum Loop wieder ungeahnte Dimensionen erreicht. 

Ruben Lenten behauptet im KITE-Interview sogar: „Jeder kann loopen lernen.“ Damit der Kiteloop möglichst schmerzfrei bleibt, gibt einer der weltbesten Kitelooper, der Kieler Rick Jensen, folgende Tipps: 

  • Übe im tiefen Wasser
  • Such Dir möglichst konstanten und ausreichend starken Wind 
  • Mach keine mächtigen Loops mit Kites über zehn Quadratmeter

Such Dir glattes Wasser, kein Kabbelwasser, da die Landegeschwindigkeit meist sehr hoch und die Gefahr des Einspitzelns groß ist Keine Boots am Anfang.

Von Kiteloops in zehn Metern Höhe träumen wir aber mal nicht, man kann auch beim Kreiseln langsam anfangen. Mario: „Am besten fängst du mit normalen höheren Srüngen an, und kurz vor der Landung loopst du den Schirm direkt über dir durch. Sobald das klappt, kannst du die ersten niedrigen Backloop-Kiteloops durchziehen. Versuche, den Schirm möglichst spät zu loopen, wenn du schon in der Abwärtsbewegung bist. Wenn du den Loop früher einleitest, also etwa am höchsten Punkt, bekommst du mehr horizontale Beschleunigung. So kannst du dich langsam bis zum Megaloop rantasten. Den Loop kannst du mit vielen Manövern kombinieren –  Transitions, Handlepasses, Rotationen, One-Footer…alles ist möglich.“

            „ Mein Körper muss da eben mit“

Kaum einer außer Ruben Lenten zimmert die Kiteloops so brutal in die Sturmböen wie der Core-Profi Beany Burblies. Aber auch Loop-Anfänger können von seiner Leidenschaft lernen.

Bei der Wahl des spektakulärsten Kite-Bildes wäre Beany Burblies sicherlich ein ganz heißer Favorit. Kaum ein Fahrer schaut so tief auf seinen Schirm herab wie er während seiner Killerloops – wohlgemerkt – ausgehakt mit Zehn-Meter-Leinen. Beany über die letzten Sekunden vor der Einleitung: „Ich versuche, den richtigen Moment, die optimale Geschwindigkeit und eine Böe zu erwischen. Dabei ist es äußerst wichtig, das Wasser zu lesen und nach Böen abzusuchen. Sekunden vor der Böe reiß ich den Kite auf die Zwölf-Uhr-Position und presse die Kante, solang es geht, ins Wasser. Sobald ich in der Luft bin, erfühle ich meine Position unter dem Kite und entscheide dann im Bruchteil einer Sekunde, ob ich den Loop durchziehen kann oder eben nicht. Ich breche ab, wenn ich merke, dass ich mich nicht in der optimalen Position zum Kite befinde. 

Passt alles, lenke ich den Kite mit einer Schulterbewegung ein, sobald ich sechzig Prozent meiner Steighöhe erreicht habe. Dabei greife ich die Bar schulterbreit. Sobald der Kite loopt, heißt es festhalten und bloß nicht zu stark einlenken, sonst fliegt der Kite nicht tief genug. Wenn ich genügend Höhe habe – das ist meist erst ab 30 Knoten der Fall – geht’s auf einem Sturzflug dem Wasser entgegen. Ich pendel unterm Kite durch. Dadurch bremst mich der Kite ab, der manchmal über die Zenit-Position hinweg nach Luv segelt, also hinter mir steht. Nun muss ich noch mit Schallgeschwindigkeit landen. Wenn ich im unteren Windbereich springe, ist das am gefährlichsten, weil ich nicht genügend Höhe bekomme und damit die Landung meist im Mega-Crash endet. Allerdings ist mir die Landung nicht so wichtig. Beim Landen geht’s ja nur darum, heil und an einem Stück wieder aufzukommen. Ob ich die nun stehe oder nicht, hat da keine Bedeutung für mich.“ 

Viele Loop-Einsteiger fragen, bei welchen Windbedingungen Loopen sicher sei. Beany hat da eine klare Vorstellungen: „Spiegelglattes Wasser und anständig Keule – am besten sind 30 bis 35 Knoten. Böen sind mir ganz lieb, da macht es noch mehr Spaß. In Böen gibt’s eine kleine Extra-Portion Adrenalin, da die Windstöße ja unerwartet auftauchen. Bläst es über 32 Knoten, wird es spannend: Ich brauche einige Versuche, um mich an die brachiale Gewalt zu gewöhnen, aber dann geht’s richtig ab. Man sieht das nie auf den Fotos, aber ich habe immer ein Team von Jungs in Lee in Booten oder auf Sandbänken postiert. Die passen auf mich auf. Meine Loops sind keine Einzelleistung. Danke an alle, die mir dabei helfen.“

Und wenn was schief geht, hat er auch einen Plan B? 

Beany: „Ich achte darauf, dass meine Arme am Körper anliegen, damit die Rippen geschützt werden. Kurz vor dem Aufschlag presse ich die Luft aus meinen Lungen. Um mich auf diese physische Belastung vorzubereiten, springe ich aus fahrenden Booten und lasse mich hinter Booten herschleifen. Dabei halte ich mich meist am Anker fest, um auch wirklich unter Wasser gezogen zu werden.“ 

Das Unterbewusstsein findet häufig einen Weg, den Körper vor größerem Schaden zu bewahren. Das nennt man Überlebensinstinkt. Wie überlistest man die Schutzhemmung während der Loops?

„Es gibt Leute, die es für durchgeknallt halten, wenn ich eben mal nachts bei minus fünf Grad Celsius eine sechseinhalb Stunden und 40 Kilometer lange Nachtwanderung mache oder bei 35 Grad zehn Kilometer durch die Wüste laufe“, sagt Beany. „Ich denke aber, das es das ist, was meine Kopfarbeit ausmacht: Ich mache, was ich will, und das mit hundert Prozent. Mein Körper muss da eben mit.“