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Ostsee: Kellenhusen

KELLENHUSEN AN DER OSTSEE 

PROMISPOT FÜR PROS AN DER OSTSEE
Wenn sich Winde aus nordöstlichen Richtungen ankündigen, werden die Kiter rund um Hamburg und Fehmarn nervös. In Kellenhusen ist Kickeralarm. Dann schnappt sich nicht nur Matthias Larsen (Bild) das Waveboard – auch die   Prominenz aus Fehmarn steuert das Bonsai-Hawaii in der Lübecker Bucht an.

„Wenn dieser Spot läuft, dann ist es der beste Platz an der Ostsee“, sagt Kite-Profi Basti Witzleben. Dieses Attribut ist er seinem Homebreak schon schon schuldig, schließlich wuchs er hier auf.  

Etwas differenzierter betrachtet,  darf Kellenhusen in der Lübecker Bucht durchaus als Winddiva bezeichnet werden. Denn der Spot braucht Ostwind, und der ist doch nicht so häufig wie die Fronten aus dem Westen. Heißgeliebt ist  aber Ostnordost – dafür lassen die Locals im Großraum Hamburg Fehmarn alles stehen und liegen. Selbst Workaholic Bernie Hiss von Core ist dann in Kellenhusen öfter zu sehen. 

Der tiefere Grund des Kellenhuser Ruhms ist die Welle, „zehn Meter mit schöner Tube“, flachst Basti. Leider ein Scherz, denn die Wellen werden schnell plattgeblasen, wenn der Effekt des auflaufenden 

Wassers am zweiten Windtag nachlässt. Dieser Effekt entsteht am ersten Tag in einer starken Ostwind-Periode dadurch, dass viel Wasser in die Bucht gedrückt wird. Dieses Wasser stellt sich an den Sandbänken auf und produziert einen wahren Vergnügungspark für die surfenden Kiter. Am zweiten Tag kommt leider schon weniger Wasser aus dem Osten an – die Wellen werden kleiner. 

„Aber auch normaler Ostwind, der dann auf Nordost dreht, wird gerne genommen, selbst purer Ostwind ist noch ein Geschenk“, sagt Witzleben. 

Wenn sich aus dem Osten kein Wind aufmacht, ist man aber auch für Südsüdwest bis Südost dankbar. Im Herbst, wenn die Badezonen verwaist sind, kann man sich dann im gesamten Spot austoben. Allerdings, so Witzleben, wird der Spaß durch Hamburger und kürzere Tage eingeschränkt. 

Er findet sein Glück in der Bucht  leicht downwind vom Kitebeach vor dem Discgolf. Wenn die rote Fahne gehisst ist und Schwimmer nicht zu befürchten sind, oder wenn die Kälte alle Badegäste vertrieben hat, dann hat man freie Fahrt – und das sogar ganz legal.  

Die Wellen brechen an guten Tagen an den diversen Muschel- und Sandbänken zwischen Dahmesöved und Klostersee. Allerdings ist  mal diese, mal jene Section besonders gut. Bastis Rat: „Es macht auf jeden Fall sind, die ganze Bucht zu scannen und sich seinen Lieblingsspot zu suchen.“ 

Allerdings gibt es auch noch andere Mitbewohner im Revier: Die Kickerwellen vor Dameshöved nördöstlich von Kellenhusen werden von den Windsurfern hartnäckig in Beschlag genommen. „Es macht wenig Sinn, sich mit den Surfern anzulegen oder gar zu verheddern, weil die ohnehin schlecht gelaunt sind. Sie glauben immer, dass wir Kiter ihnen das Parken vermiesen.“

Weil wir gerade beim Parken sind, die meisten Kiter parken auf dem Platz vor dem Kitebeach. Im Sommer wird ganz genau kontrolliert, wer seine Gebühr bezahlt hat. Der „Kollege“, der die Parksünder aufschreibt, „arbeitet auf Provisionsbasis und versteht seinen Job sehr gut“ (Witzleben). 

Früher war nicht Kellenhusen das Zentrum der Ostsee-Kiter, sondern der nächste Strand bei Klostersee. Leider haben die „Strandräuber“ von der Naturschutzbehörde, oder wer auch immer, diesen Spot zum Naturschutzgebiet erklärt. Gottseidank ist die Strecke zwischen Kelle und Klostersee auf dem Wasser aber nicht gesperrt (wäre auch schwer zu kontrollieren). Diese Alternative sollte man sich merken, wenn der Wind in Kellenhusen zu auflandig oder aus südwestlichen Richtungen. 

Mit welchem Untersatz die Kiter unterwegs sind, hängt von der individuellen Prägung ab. Auf einem schlaufenlosen Surfboard ist man auf jeden Fall mit dem richtigen Gerät unterwegs. 

Allerdings sind bei Süd bis Südsüdost  und etwas stärkerem Herbstwind die Twintip-Kiter auch völlig aus dem Häuschen. Zwischen den Sandbänken gibt es oft glattes Wasser – ein feines 

Parkett für Freestyler und Heizer. 

Bei Südost bis Südwest hat das Revier aber noch eine Attraktion zu bieten: Zwischen Kellenhusen und Dahmeshöved bildet sich ein großer Stehbereich, der sich sogar zum Lernen und Trainieren eignet. 

Man sollte allerdings auch ein paar unschöne Stolperstellen erwähnen. Bei bestimmten Windverhältnissen könnten einem die Buhnen die Finnen oder noch mehr abrasieren. Bei Nordost-Wetterlagen und Hochwasser sind die Sandschutzwälle aber nicht zu sehen. Dass die Ostsee das Revier der dicken Neos ist, sollte man Südlichtern auch noch sagen.  

GUT ZU WISSEN 

Surfschulen:

http://www.wassersport-kellenhusen.de/index.php/windsurfen.html

http://www.surfschule-dahme.de/

Timo ist der Ansprechpartner für Kitesurfschulungen. 

Wind:

http://www.windguru.cz/de/index.php?sc=48151

http://www.dmi.dk/hav/udsigter/havprognoser/#danmark

Wichtig zu wissen: 

In Klostersee haben die Naturschützer einen Riegel vorgeschoben, hier war früher der Hauptspot.